Wenn ich so zurückschaue, was wir so alles im Jahre 1969 erlebt haben, dann will ich den Versuch unternehmen, diese Jahr für mich zu beleuchten. Damals war ich im zweiten Halbjahr des Schuljahres 1968/69 auf der POS Kappel und als Schüler in der ersten und zweiten Klasse war ich ein Träumer, aber hatte völlig unerwartet für meine Familie in allen Fächern gute Noten und war besser als meine Zwilingsschwester. Die Entscheidung für die Russischule, wie es damals hieß, traf mein Vater, damals Lehrer an der SED Parteischule. Er hatte in seinem früheren Leben eine Dorfschule erlebt und strebte für seine Kinder, Bildung, Bildung und nochmals Bildung an.
Mein Schicksal war also besiegelt und ich war auserwählt auf die sagenumwobene Russischschule zu gehen und meine Zwillingsschwester hinter mich zu lassen. Hinzu kam noch, dass wir im Jahre 1969 von der Neefestr. auf die Altendorferstr. ins Erdgeschoss in einen neu entstandenen Block umzogen. Am 17. Juni 1969 hatten wir diesen Umzug hinter uns gebracht. Der Urlaub konnte kommen und wir fuhren mit dem Zug nach Bellin in Mecklenburg, unweit meiner Geburtsstadt Güstrow. Der Urlaub war für uns Kinder super, bis ein Ereignis zum vorzeitigen Abbruch für mich und meinen Vater führte. Ein Stich in meine rechte Kniekehle, war der Grund für meine erste Bekanntschaft mit dem Küchwald Klinikum.
Eine Blutvergiftung führte zu einem drei Zentimeter tiefen Ausschnitt in meiner Kniekehle.
Im Klinikum war ich der King, als Jüngster und gefürchteter Schachspieler. Noch in Erinnerung sind mir zahlreiche Spritzen in meine Oberschenkel.
Das war ein für mich prägender Urlaub und nun konnte ich mich auf meine neue Schule vorbereiten. Doch wartet mal, jetzt erwischte mich eine neue Einschränkung. Ich konnte die Straßenschilder in meiner Umgebung und bei Spaziergängen nicht mehr erkennen. Der Brillenträger Andreas Knorr war geboren und das war Handycap und Herausforderung zugleich.
Im August ist mir die Einladung innerlich auf der mir ein völlig unbekanntes Wort in Erinnerung geblieben ist, “Foyer”. Also der Vorraum in dem wir uns dann getroffen haben und uns das erste Mal gesehen haben.